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Interview mit dem OX Fanzine, Januar 2010...
Interview von Simon Brunner über Twisted Chords im Allgemeinen und politische Aspekte im Besonderen. Geführt im Dezember 2009 / Januar 2010, erschienen im OX Fanzine Nr. 89 / April 2010. Dort aber leider in sehr gekürzter Fassung:

Wer steckt heute hinter Twisted Chords: Wer arbeitet wie aktiv mit, denn alleine kannst du das doch sicher nicht mehr bewerkstelligen?

Hinter Twisted Chords stecke ich auch weiterhin größtenteils alleine. Zu schaffen ist das natürlich alles nur mit einem erheblichen Zeitaufwand und durch die Mithilfe von einigen Leuten, die sich teilweise schon seit Ewigkeiten um verschiedene kleinere Aufgaben kümmern, die bei Konzerten mithelfen oder Pakete packen, Grafikkrams machen, sich um Technisches kümmern, Übersetzungen, Promo und und und. Und natürlich durch die jeweiligen Bands, die entsprechend mitarbeiten und sich reinhängen.
Die Entscheidungen über Veröffentlichungen und andere „entscheidende“ Sachen treffe ich aber auch weiterhin alleine, dazu hole ich mir höchstens mal Zweitmeinungen von guten Freunden ein.

Der umfangreiche Out Of Control-Sampler hat 2009 für Aufsehen gesorgt. Ich bitte dich an dieser Stelle mal den Lesern darzustellen, wie so ein Benefiz-Sampler kalkuliert wird, was letztlich nach allen Unkosten an die jeweilige Einrichtung geht, in wie weit der OOO-Sampler ein Erfolg war und was konkret mit der Kohle passiert ist?

Out of control hat eine längere Vorgeschichte, die Grundidee dazu kam von den Luchaamada-Leuten aus Berlin, die den Sampler letztlich auch zusammengestellt haben. Es ging ursprünglich um das 129a-Verfahren gegen Menschen aus Berlin, wir haben das thematisch später dann generell auf das Thema "Repression" ausgeweitet.
Ein Projekt wie "Out of control" war finanziell nur möglich, weil zum einen alle Beteiligten (vom Grafiker über das Presswerk, Druckereien etc.) umsonst bzw. nur für Unkostenerstattung gearbeitet haben und niemand daran Geld verdient hat. Zusätzlich hatten wir einige Menschen und Stiftungen, die das ganze finanziell unterstützt hatten, anders wäre das mit vier CDs, fettem Booklet, Klapp-Digipack etc. alles nicht zu finanzieren gewesen.
Die Sampler sind inzwischen vollständig ausverkauft und werden auch nicht mehr nachgepresst, eine letzte Abrechnung steht aber noch aus. Der letzte Stand war bereits ein sehr hoher Überschuss, der an die Rote Hilfe und das Berliner Einstellungsbündnis gespendet wurde. In dem ganzen Rahmen gab es auch mehrere Release-Parties und Veranstaltungen, bei denen die Erlöse ebenfalls gespendet wurden, so ist über die Monate richtig viel Geld zusammengekommen.
Ein Erfolg war das Projekt in jedem Fall, nicht nur durch die erwirtschaftete Kohle, sondern auch weil es uns gelungen ist, nicht einfach einen der üblichen Soli-Sampler zu machen, sondern durch den Umfang, die Aufmachung und die verschiedenen Musikstile was Besonderes gemacht zu haben.

Wie verlief das diesjährige Twisted-Chords-Festival, das mit zwei Tagen ja mittlerweile fürs ArtCanRobert eine große Sache geworden ist?

Das Festival lief im Rahmen der Labeltour, die es in dieser Form seit 2008 gibt. Die Labeltour waren jeweils mehrere Konzertwochenenden mit wechselnden Bands in verschiedenen Städten, zum Abschluss gab es 2008 in Frankfurt im Cafe Exzess ein großes Festival, dieses Jahr dann ein (Fast-)Heimspiel im Artcanrobert Rastatt. Ist alles cool gelaufen und hat Spaß gemacht, war aber natürlich auch durch die extrem lange Vorbereitungszeit sehr aufwendig. Wie das weitergeht und ob es die Labeltour 2010 wieder geben wird, wird sich zeigen, das ist momentan noch nicht entschieden. Ist natürlich alles immer mit einem ziemlichen Arbeitsaufwand verbunden und ich weiß noch nicht so richtig, ob ich mir das wirklich jedes Jahr "antun" will...

Du hast zwar mal gesagt, dass du Nischen langweilig findest, aber mir fällt ehrlich gesagt derzeit niemand in der deutschen Labellandschaft ein, der ein ähnliches politisches „Konzept“ in der Labelarbeit verfolgt, oder irre ich da?

Ich finde das immer recht spannend zu beobachten, wie Twisted Chords nach außen wahrgenommen wird bzw. was als Konzept interpretiert wird und was nicht. Und ich muss dann immer ehrlich gestehen, dass es "das Konzept" nicht wirklich gibt. Oder anders formuliert, auch wenn es vielleicht arrogant klingen mag: ich bin das Konzept und das ist nirgends niedergeschrieben, sondern durchaus wandelbar und offen für Neues.
Klar ist natürlich, dass mit Twisted Chords gewisse politische Standpunkte verbunden sind und die auch - mal mehr, mal weniger – offen nach außen vertreten werden. Ich würde aber nicht so weit gehen und sagen, dass jetzt alles immer zwingend mit einer politischen Intention sein muss. Klar, haben die meisten Label-Bands politisch was zu sagen und melde ich mich darüber auch mal ganz gerne zu Wort, aber das schließt eben nicht aus, dass vielleicht irgendwann wieder eine Platte kommt, die überhaupt keine politischen Inhalte hat.
Darüber hinaus glaube ich schon, dass es auch viele andere Labels gibt, die sich explizit politisch positionieren. Mag sein, dass die eher eine klare Schiene bedienen, während hier eben musikalisch fast alles möglich ist, aber politische Labels gab es immer und wird es auch immer geben – und das ist auch gut so.

Musikalisch gab es auf Twisted Chords eigentlich noch nie Grenzen. Hauptsache ist, die Leuten haben politisch was zu sagen, oder?

Ich habe der Frage gerade oben schon etwas vorgegriffen, vielleicht noch mal explizit zu dem Punkt: musikalische Grenzen gibt es nicht. Die Grundlage für fast alles hier ist und bleibt natürlich Punkrock / Hardcore und was es so drum herum gibt, das ist immer noch das Herzensding, damit bin ich sozialisiert, das hat mich geprägt. Ich habe aber eben auch schon immer Bands aus ganz anderen Stilrichtungen gut gefunden und das ist bis heute nicht anders, dementsprechend gibt es eben auch mal Ska, HipHop und anderes auf Twisted Chords.
Ich würde auch gar nicht so weit gehen und sagen, dass die Bands jetzt unbedingt alle superpolitisch sein müssen, das war in der Vergangenheit nicht immer so und muss auch in Zukunft nicht so sein. Klar ist, dass manche (auch politischen) Positionen einfach passen müssen, aber die müssen ja nicht unbedingt gleich noch besungen werden, von mir aus mache ich auch gerne eine Platte mit Texten über Bienchen und Blümchen wenn der Rest stimmt. Die Kriterien sind eher, ob ich das musikalisch und inhaltlich mag und vertreten kann, ob man in etwa die gleichen Vorstellungen von der Zusammenarbeit hat und vor allem ob das menschlich einfach passt. Wenn das nicht der Fall ist, macht alles andere eh keinen Sinn.

Du nimmst kein Blatt vor den Mund, was die Grauzonendiskussion angeht. Ich bin über die Gleichgültigkeit ziemlich enttäuscht und schockiert, was das angeht. Was ist deiner Meinung nach in den letzten Jahren schief gelaufen?

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob das ein neues Phänomen ist, ich glaube eher, dass die Diskussion alle paar Jahre mal wieder höher kocht und momentan ist das eben wieder der Fall. Was heute anders ist, ist dass mir in vielen Dingen die klare Abgrenzung fehlt und dass mir bei manchen Bands, Labels und Veranstaltern klare Distanzierungen oder Grenzen fehlen.
Im Prinzip gab es aber auch schon in den Neunzigern (und wahrscheinlich auch davor, aber da war ich einfach zu jung) diese Grauzone und die Auseinandersetzung darum. Was aber keine Relativierung sein darf, natürlich gilt es diese Entwicklung zu beobachten und gegen zu steuern.
Heute scheinen aber mehr der „Großen“ (Booker, Labels, Veranstalter) offen für so was zu sein und es scheint denjenigen auch nicht mehr zu schaden, wenn sie sich rechtsoffene Bands einladen oder Platten mit eben solchen veröffentlichen. Letztlich läge es da halt an allen klar zu machen, dass man eben nicht auf Konzerte oder Festivals mit Grauzonen-Bands geht und sich einfach genauer anschaut, wem man da so sein Geld in den Rachen wirft.
Es gibt ja recht unterschiedliche Erklärungsansätze warum es momentan wieder dazu kommt*, was mir eben oftmals fehlt und was leider viel Raum für solche Geschichten lässt, ist die Tatsache, dass es bei vielen an klaren Abgrenzungen fehlt. Es geht mir gar nicht darum von allen superpolitisches reflektiertes Verhalten einzufordern, was man aber erwarten kann, ist, dass einfach gewisse politische Minimalstandards gehalten werden und dazu gehört eben eine klare und deutliche Abgrenzung nach Rechts und wer dazu nicht in der Lage ist, hat definitiv nichts kapiert.

*Zu den verschiedenen Erklärungansätzen vielleicht noch: damit meine ich zum Beispiel die von Dir benannte „Politikverdrossenheit“, dann gab es kürzlich von der Berliner „Siempre Antifascista“-Gruppe einen Artikel dazu, in dem sie das Erstarken der Grauzone u.a. darauf zurückführen, dass sich politisch Aktive und politische Gruppen generell aus Subkulturen zurückgezogen hätten ; ich würde noch hinzufügen, dass sich gerade in den Neunzigern große Teile der Linken expliziter auf Punk/HC bezogen haben, während es heute einen wesentlich breiteren Rahmen von „linker (Jugend-) Kultur“ gibt, der zwangsläufig zu einem Aufsplittern der politisch aktiveren Kräfte führt. Ist aber ein seitenfüllendes Thema, das würde hier den Rahmen sprengen...

Für mich sind deshalb Labels wie Twisted Chords, die eine ganz klare politische Ausrichtung haben, wichtiger denn je geworden. Ist die Politikverdrossenheit jetzt auch schon in den früheren politischen Kreisen der Szenen angekommen oder warum habe ich das Gefühl, dass Politik in unseren Musikrichtungen lieber ausgegrenzt wird?

Ich glaube zunächst mal, dass sich „unsere Musikrichtungen“ inzwischen in unzählige Subszene unterteilt haben und man da so pauschal gar nicht mehr rangehen kann. Jede dieser „Szenen“ funktioniert für sich selbst, da gibt es in viel zu vielen Ecken natürlich jede Menge Unpolitisches und jede Menge Ignoranz, genau so gibt es aber auch den Kreis von Bands, Menschen, Veranstaltern etc., die das alles als eine explizit politische Geschichte sehen und die dafür auch eine Menge tun. Ohne die Leute würden die AZs, selbstverwalteten Juzis etc. nicht funktionieren und das ist letztlich auch der aktive Kreis an Leuten, auf die ich mich am ehesten beziehen würde. Da habe ich auch nicht den Eindruck, dass das abstumpft und da würde ich auch den Eindruck nicht bestätigen, dass Politik ausgegrenzt wird.
Um das vernünftig beantworten zu können, müssten wir also erst mal klären, wovon wir reden, von Subszenen wie Metalcore etc., die sich teilweise völlig von den Wurzeln der ganzen Sache entfernt haben oder reden wir von Streetpunk/Oi!, wo es eben auch schon immer eine gewisse Grauzone gab oder vom klassischen Punkrock, wo unter dem Deckmäntelchen von „geiler Mucke“ manche Band toleriert und verteidigt wird, die da einfach nichts zu suchen hat…?

Auf was kann man sich an neuen Bands und Künstlern 2010 freuen und was wird es von denen auf Twisted Chords geben?

2010 wird es voraussichtlich richtig viele Veröffentlichungen geben, zumindest zeichnet sich das momentan ab. Zum Erscheinen dieses Interviews sollten einige bereits erschienen sein, aktuell arbeite ich gerade an der Across the Border – Hag songs CD und der Day by Day Diskographie-LP, die beide im Januar 2010 fertig sein werden. Weiter geht es dann mit der Debut-CD/LP von Balboa Burnout (ex- El Mariachi), Amen 81 und Nein Nein Nein arbeiten an einem gemeinsamen Split-Album, von MDC wird es die „Hey cop…“-LP und die „Millions of dead cops“-LP (beide auf Vinyl schon vor Jahren erschienen) im Laufe des Frühjahres auch als CDs geben, Chaoze One arbeitet an neuem Material, was ebenfalls noch vor dem Sommer erscheinen soll, Studioaktivitäten haben außerdem Inner Conflict, Front und Rogue Steady Orchestra angekündigt.
Dazu gibt es noch einen ganzen Schwung Ideen, Überlegungen und Kontakte, die aber alle noch nicht spruchreif sind und dementsprechend auch noch nicht verraten werden. Checkt www.twisted-chords.de, da gibt es ständig Updates! Und vielleicht auch bald ein neue Webseite…

Immer mehr Labels beenden ihre Aktivitäten. Ist es für Twisted Chords in deiner Labelsituation in den letzten Jahren schwieriger geworden, oder ist der Druck nicht ganz so stark, weil für dich das Label ja nicht unbedingt etwas mit dem kommerziellen Musikbusiness zu tun hat und du damit nicht deine Brötchen verdienen musst?

In den letzten Jahren ist es durchweg für alle schwieriger geworden, auch für Twisted Chords und der Druck ist definitiv hoch. Das ist bei mir vielleicht nicht ganz so schlimm wie bei anderen, weil ich meinen Lebensunterhalt nicht damit bestreite, aber trotzdem hängt auch hier eine Menge Geld drin und ist das hier auch immer ein finanzieller Drahtseilakt. In so fern habe ich natürlich auch mit dem kommerziellen Musikbusiness zu tun, ich arbeite auch mit einem Großvertrieb, habe auch laufende Kosten und bin genauso darauf angewiesen, dass den ganzen Kram jemand kauft und supportet. Der Druck ist nur nicht ganz so hoch wie bei einigen Kollegen. Grundsätzlich ist es so, dass es finanziell oft keinen Spaß macht und manchmal durchaus auch monetäre Überlegungen diverse Sachen einschränken und das ist natürlich nicht schön. Durch Rumjammern wird es aber auch nicht besser und ich erwarte da auf lange Sicht auch keine Besserung, sondern eher noch miesere Zustände. In so fern ist der Antrieb hier weiterhin Bock auf die Bands, auf die beteiligten Leute, auf viele, viele Menschen weltweit mit denen ich zum Teil seit Jahren zu tun habe und die superviel Rückhalt geben und ich kann mich nach all der Zeit auch immer noch wie ein kleines Kind über jede neue Platte freuen. Ans Aufhören denke ich hin und wieder in schlechten Momenten mal, aber meistens bin ich davon weit entfernt und so lange es einigen Leuten noch was bedeutet und ich Spaß daran habe, geht es auch weiter… The future is unwritten!.

zurueck


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