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Artikel aus dem "OX Fanzine" zu 10 Jahre Twisted Chords, Oktober 2006...
Artikel/Interview aus dem „OX Fanzine“ Nr. 68 (Oktober 2006) zu 10 Jahren Twisted Chords. Autor: Klaus N. Frick.

»Es ging mir schon immer um die Inhalte«
Twisted Chords wird zehn Jahre alt – ein Label-Porträt
Das Pfinztal liegt zwischen Karlsruhe und Pforzheim, eine ländliche Region zwischen zwei "mittleren Großstädten", die man in Baden-Württemberg auch als "Oberzentren" bezeichnet. An der Pfinz, einem kleinen Fluss, der irgendwann in den Rhein mündet, liegen Gemeinden wie Remchingen, Grötzingen oder Kleinsteinbach, genau die Art von Region also, über die WALTER ELF bereits Mitte der 80er Jahre das Stück "Provinz" geschrieben haben. Ausgerechnet aus Pfinztal, wie sich die Verbandsgemeinde der kleinen Dörfer nennt, kommt Twisted Chords, ein Label, das in diesen Tagen seinen zehnten Geburtstag feiert. Grund genug, mal nachzuhaken, wie das ganze entstand und wohin sich Twisted Chords weiter entwickeln wird.
Als jemand, der selbst aus einem kleinen Dorf kommt, kann ich Tobis Jugend richtig nachvollziehen: Da sitzt man in einem Kaff, das ausgerechnet Kleinsteinbach heißt, und weiß, dass irgendwas rings um einen rum nicht stimmt. Irgendwann stellte Tobi fest, dass die großen Städte so weit entfernt doch nicht waren, der Punkrock trat in sein Leben – und ehe er es sich selbst versah, war er ein Bestandteil der Szene in Karlsruhe.
Im Herbst 2006 ist er 27 Jahre alt, macht seit zehn Jahren das Label Twisted Chords und denkt nicht daran, einfach wieder aufzuhören. "Den Frust habe ich oft genug, aber dann gibt es einfach immer wieder derart geile Bands, dass ich weitermachen muss", ist seine Aussage, wenn man ihn darauf anspricht. Das passt zu einem Label, das die schönen Aussage "More Than Music" über seine Aktivitäten stellt...

Die Anfänge

Dabei hätte sich anfangs niemand träumen lassen, dass das Label irgendwann einmal mit rund fünfzig Veröffentlichungen zu einer Konstante in der deutschen Punk-Szene werden sollte. Tobi erinnert sich an die Anfänge vor dem eigentlichen Anfang mit einem Lachen: "Das Label fing im Frühjahr 1996 an, aber davor gab es ja das Fanzine Voll daneben, das ich ab 1994 herausgegeben habe."
Fanzines und Menschen ändern sich, und irgendwann erwachte in Tobi der Gedanke, die CD einer Karlsruher Band herauszubringen, die zu jener Zeit recht populär war. SIMUINASIWO machten das, was man heutzutage wohl als Emopunk mit deutschen Texten bezeichnen würde, spielten in allen möglichen Jugendzentren und besetzten Häusern in der Republik - eigentlich ein guter Start für das junge Label.

"An das Gefühl erinnere ich mich noch, als wär's gestern gewesen", erzählt Tobi heute über jene Tage im Mai 2006. "Das Paket vom Presswerk kam, ich hab's wirklich mit zitternden Händen aufgerissen, habe die SIMUINASIWO-CD rausgeholt und vor Freude einen Luftsprung gemacht. Über die Folgen machte ich mir noch nicht so viele Gedanken."

Die "Phase 4" war tatsächlich die erste Platte auf Twisted Chords. Woher der Name eigentlich kommt, daran erinnert sich Tobi angeblich nicht mehr. Immerhin gibt es eine Platte der Hamburger Band RUBBERMAIDS, aber der Label-Macher beschwört, dass es hier keine Zusammenhänge gäbe. "Die Geschichte ist noch peinlicher", gibt er auf Nachfragen dann doch zu. "Auf der einen Seite fand ich Records als Endung immer blöd, das hatte jeder. Also habe ich bei Fat Wreck das Chords geklaut, und weil mir sonst nichts einfiel, habe ich das Wörterbuch durchgeblättert und bin auf Twist oder eben Twisted gestoßen – das war's."
Ein spätes Geständnis, jetzt wissen wir's. Ich bin sicher, dass viele Label- und Bandnamen unter wesentlich peinlicheren Gesichtspunkten zustande gekommen sind.

Der Start des Labels war ein bisschen holperig: Die erste Platte war kaum raus, als die Band auch schon auf Tiefschlaf ging und so gut wie nicht mehr auftrat. Trotzdem folgten in recht rascher Folge ein CD-Sampler und ein Tape-Sampler, und es wurde eine CD produziert, auf der zwei Bands zu hören waren, die aus Karlsruhe und Umgebung stammten: Freunde und Bekannte von Tobi eben. Ein sehr typischer Start für ein Label. "Ich hatte damals noch keine klaren Pläne, es war alles ungeheuer neu."

Tobi machte auf jeden Fall genau so weiter, wie man es eigentlich erwartete: Vinyl-Scheiben wurden publiziert, die sich vier eher unbekannte Bands teilten, hinzu kamen Platten von Bekannten. Der erste Ausbruch in die Ferne war die Bremer Band FREE RANGE TIMEBOMB.

Ich entsinne mich noch gut des Abends, als Tobi in meiner damaligen Wohnung saß, ich das Demo-Tape abspielte und er mich gespannt anschaute. "Und, wie gefällt es dir?", fragte er mich, und ich, ganz der Alte Herr, schüttelte bedächtig den Kopf und meinte, "das würde ich nicht machen, ich glaube nicht, dass sich das verkauft."

Seither weiß Tobi auf jeden Fall, dass er sich auf mein kaufmännisch-verkäuferisches Urteil nie verlassen kann: Die Ten-Inch von FREE RANGE TIMEBOMB lief für die Verhältnisse eines kleinen Labels außerordentlich gut und war zudem die erste Twisted-Chords-Platte, die ausverkauft war...

Die weitere Geschichte

Mit den JUGGLING JUGULARS kam die erste ausländische Band, mit "Missing in Action" endlich ein richtig guter LP-Sampler, den ich nach wie vor empfehlen würde, mit INNER CONFLICT endlich eine Band, die auch mir gefiel (und die sich nicht sofort auflöste). Spätestens mit Krachern wie den englischen Alt-Punkern POLICE BASTARD, den damals sehr populären spanischen Anarcho-Punks SIN DIOS und der unglaublichen norwegischen Hardcore-Band RIFU hatte sich Twisted Chords einen Namen erarbeitet, der längst nichts mehr mit Lokalkolorit allein zu tun hatte.
Ein ungewöhnlicher Weg für einen jungen Mann aus einer badischen Landgemeinde. "JUGGLING JUGULARS und RIFU habe ich live gesehen und einfach angesprochen, ob sie Bock hätten, eine Platte mit mir zu machen", berichtet Tobi. Bands aus Deutschland schickten zu der Zeit immer mehr Demo-Tapes oder gleich richtige CDs, aber Tobi winkte meist ab.

"Wir hören Tapes und CDs von unbekannten Bands gemeinsam an, aber es ist verdammt viel Schrott dabei." Tobi wuchs gewissermaßen mit SLIME und BUT ALIVE auf und ist gelegentlich frustriert, wenn er sich den aktuellen Stand der Deutschpunk-Szene anschaut: "Es gibt in dem Sektor sehr wenig, was so richtig geil ist."
Den richtigen Plan hatte er nach wie vor nicht: "Ich arbeite nicht planlos drauflos, das ist klar. Natürlich müssen die Platte und die dazu gehörige Tour der Band zusammenpassen, aber ich hock mich nicht hin und tüftle einen Marketing-Plan aus, in dem jede Anzeige und jede Promo-Geschichte abgedeckt werden."

Mehr als ein Label

Jeder kennt es aus eigener Erfahrung: Im Nachhinein wirken manche Ereignisse und manche Entwicklungen völlig logisch, so als hätte man sie geplant. Das gilt für das Anbahnen und Scheitern langer Liebesbeziehungen ebenso wie für ein Label und das gesamte Drumherum. Im Nachhinein wirkt es für mich also völlig logisch, dass Twisted Chords irgendwann einen Mailorder aufzog, anfangs mit kopierten Listen oder gar richtigen Heften, die mit der Post verschickt werden, mittlerweile nur in Form eines Online-Shops.

Tobi tat das, was seit Mitte der 80er Jahre viele Macher kleiner Labels tun: "Ich fuhr zu der Zeit oft auf Konzerte, hatte immer meinen Verkaufsstand dabei und verscheuerte irgendwann eben nicht mehr nur die Platten meiner Label-Bands, sondern auch die Platten anderer Bands und Labels, mit denen ich getauscht hatte." Tauschplatten stapelten sich irgendwann im Jugendzimmer im elterlichen Wohnhaus bis zur Decke, so dass der Schritt zu einem echten Mailorder von selbst kam.

Der Online-Shop ist eine logische Konsequenz aus einer weiteren Veränderung. "Mittlerweile hatten die meisten Leute, die bei mir bestellten, eh einen Internet-Anschluss", stellt Tobi nüchtern fest. Grund genug für ihn, auf die Liste zu verzichten und alles auf einen Newsletter und einen Online-Shop umzustellen. "Das läuft ganz gut. Außer einigen wenigen hat sich bislang keiner beschwert, dass es die Listen nicht mehr gibt."

Einer jener weniger war ein alter Sack aus Karlsruhe, nämlich ich, der deshalb maulte. Listen empfand ich stets als angenehmer als eine Homepage mit Anklick-Möglichkeit. "Ich kann dir ja ein monatliches Care-Paket zusammenstellen", schlug Tobi vor einigen Jahren vor; bisher schaffte ich es aber auch so.

Und wenn wir es schon an dieser Stelle des Artikels mit der persönlichen Ebene haben. Natürlich ist Tobi nicht der einzige Mensch bei Twisted Chords; meinetwegen kann man ihn auf die Dreieinigkeit aus Label-Gründer, Alterspräsident und Chef-Antreiber fixieren. Andere Leute – nicht nur aus Karlsruhe oder gar dem Pfinztal – helfen beim Packen der Pakete, basteln die Homepage und gestalten die Platten-Cover, stehen bei Konzerten hinterm Verkaufsstand oder machen bei den anderen Aktivitäten mit.

Diese wiederum haben im Verlauf der Jahre immer größeren Raum eingenommen: Touren werden organisiert, mit "Less Talk More Rock" gibt es eine eigene Konzertgruppe, dazu kommt politisches Engagement in verschiedenen Bereichen. Die Leute, die rings um Tobi bei Twisted Chords mitmischen, sind teilweise in politischen Gruppen aktiv, haben sich bei der Unterstützung für die "Ex-Steffi" (das ehemalige besetzte Haus in Karlsruhe, das dieses Jahr geräumt und abgerissen wurde) engagiert oder wirken beim Freien Radio Querfunk mit.

Das soziale Umfeld

Die räumliche Nähe des Pfinztals zu den zwei Städten Karlsruhe und Pforzheim war für die frühe Zeit des Labels prägend. Das sieht Tobi auch mit dem Abstand von zehn Jahren so: "Für mich waren die beiden autonomen Zentren in der Gegend natürlich immer superwichtig. Im Pforzheimer 'Schlauch' konnte ich meine ersten Konzertveranstaltererfahrungen sammeln, später dann auch in der 'Ex-Steffi', und beide waren sicher maßgeblich an meiner 'Sozialisation' beteiligt."

Kein Wunder, denn bei beiden Autonomen Zentren ging es stets auch darum, dass sie vor der Räumung standen und irgendwann tatsächlich geräumt wurden. Beim "Schlauch" in Pforzheim kam das Ende nach über zwanzig Jahren fast so nebenbei – hier schien bei einem Teil der Aktivisten die Luft raus zu sein –, bei der Ex-Steffi dauerte es bis zum Frühjahr 2006.

Tobi hat in dieser Zeit viel gelernt, die anderen Aktiven bei Twisted Chords ebenso: "Uns haben die jahrelangen Kämpfe um die 'Steffi' und später die 'Ex-Steffi' sicherlich geprägt und politisiert. Das ist aber sicher eine Geschichte, die viele andere anhand anderer Räume nachvollziehen können."

In beiden Häusern gab es zahlreiche Konzerte, die für junge Leute, die ein erstes Interesse an der Subkultur entwickelten, tatsächlich sehr spannender und prägend waren. Nicht nur wegen der Bands, es ging stets um das Beisammensein, um das Treffen mit anderen Punks, Autonomen, Hardcore-Leuten oder sonstigen unangepassten Menschen. "Mich faszinierte als fünfzehnjähriger die Lebenseinstellung, die dahinter steht", zieht Tobi heute ein Fazit, "nicht nur eine Rock-Show mit Sänger und Begleitgruppe auf der Bühne, sondern eben eine eigenständige Kultur mit allen Zusammenhängen."

Heutzutage ist es nicht mehr so leicht, in Karlsruhe ein Zentrum für subkulturelle Aktivitäten zu finden. Es bleiben verschiedene Clubs – teilweise mit utopischen Geldvorstellungen – und Jugendzentren, in denen auch im Jahr 2006 teilweise fürchterliche Sozialarbeiter den Ton angeben, als hätte sich im letzten Vierteljahrhundert nichts verändert.
"Derzeit gibt es in Karlsruhe ja Bemühungen, ein neues Zentrum aufzubauen", erläutert Tobi. "Wie sich das entwickelt, kann keiner sagen." Solange es dieses Zentrum nicht gibt, sind ein Jugendhaus in der Südstadt und das "Gotec" – eigentlich eher ein Club für Techno- und House-Kultur – die Orte, an denen Twisted Chords, "Less Talk More Rock" und die anderen Konzertveranstalter aktiv werden können.

Die Inhalte

Wenn ich mir die Entwicklung so anschaue, bewegte sich Twisted Chords anfangs rein musikalisch stark im anarchistisch-autonomen Spektrum. In meinen Augen war das Label zeitweise auf Anarcho-Punk spezialisiert. Tobi redet sich hier auch nicht raus: "Das hat sich damals eher so ergeben. Ich hatte nie vor, nur eine bestimmte Richtung zu bedienen, sondern war eigentlich immer offen für alles, was mich interessiert."
Längst hat sich das Label beispielsweise dem HipHop geöffnet und bringt die Platten des Rappers Chaoze One heraus. Wobei das gut passt: Chaoze One kommt aus Karlsruhe und hat auf Demonstrationen für die "Ex-Steffi" gerappt, ist politisch und unangepasst, dürfte auf diese Weise wahrscheinlich "mehr Punk" sein als viele sogenannte Punk-Kapellen. Dazu kommen Ska von YA BASTA aus Frankreich oder gar Folk-Punk von ACROSS THE BORDER.

Im Rückblick fällt erneut auf, dass Tobi keinen eindeutigen "Masterplan" für sein Label verfolgte. "Dass in einer kurzen Phase relativ viele Anarcho-Punk-Sachen kamen, war eher Zufall als Strategie. Wobei ich übrigens JUGGLING JUGULARS, SIN DIOS und Co. nicht als klassischen Anarcho-Punk sehen würde – die Bands aber natürlich alle Berührungspunkte in die Ecke haben."

Heute betrachtet er Labels, die lediglich eine Nische bedienen, eher als langweilig. Er findet es spannender, "wenn du wirklich eine Querschnitt hinkriegst zwischen allen möglichen Sachen, hinter denen du stehen kannst." Er habe grundsätzlich immer nur Sachen veröffentlicht, die er gut fand. "Und dazu gehört eben mehr als nur Punkrock oder Hardcore – auch wenn das natürlich die Grundlage bleibt."

Letztlich muss es inhaltlich passen, was heißt, dass das Label auf die Texte guckt. Es muss nicht unbedingt alles immer politisch sein; aber es sollte zur Einstellung der Twisted-Chords-Aktivisten passen. Ganz zu schweigen von der menschlichen Seite: Im Lauf der Jahre entwickelten sich aus dem Label heraus Freundschaften, die schon lange halten. Die Hamburger Band DER TRICK IST ZU ATMEN oder die Stuttgarter Band GUERILLA sind typische Beispiele dafür.

"Gerade bei DER TRICK IST ZU ATMEN (oder heute: Lütten) passt alles zusammen: die politisch-gesellschaftliche Grundhaltung, die Musik und die Texte und die Leute – das ist mehr als nur Musik." Wir erinnern uns gemeinsam ... "More Than Music" – hier ist das Statement wieder.

Das liebe Geld

Es gibt große Plattenfirmen, die beschäftigen Hunderte oder gar Tausende von Menschen; es gibt kleinere Labels, die einige wenige Menschen oder eben nur eine Person ernähren. Und es gibt reine Hobby-Betriebe, Labels, die mal eine Platte im Jahr machen.

Twisted Chords steht irgendwie dazwischen. Trotz aller Planlosigkeit im Anfang und trotz des klaren Do-It-Yourself-Gedankens wird bei dem Label längst sehr konkret an Projekten gearbeitet, bereitet man gemeinsam die Tour zum zehnjährigen Bestehen, die Platte dazu sowie diverse andere Aktivitäten vor. Als reines Hobby kann das längst nicht mehr gehen.

Tobi sieht die Sachlage realistisch: "Sagen wir mal so – ohne meine reguläre Arbeit gäbe es das Label nicht. Ich gehe tagsüber arbeiten, und nach Feierabend sitze ich in meinem Büro, schreibe Zeugs, oder packe irgendwelche Pakete, telefoniere und maile, stehe auf Konzerten hinter dem Verkaufsstand oder mache sonst was fürs Label."

Der Traum am Label soll bleiben, der Gedanke daran, dass das ganze nicht zum Business werden soll. "Ein reines Hobby ist das nicht, dafür stecke ich zu viel Arbeit rein. Aber der Sprung zu einem richtig bezahlten Job innerhalb der eigenen Firma ist zu weit – und dann bin ich von Twisted Chords abhängig."

Tobi verweist im Gespräch auf die problematische Situation manch anderer Labels und Vertriebe: Aktivisten, die finanziell mit dem nackten Hintern an der Wand stehen und praktisch nicht mehr aus ihren Engpässen herauskommen, Labels, die kurz vor der Pleite stehen, Vertriebe, die monatelang keine Rechnung bezahlen können. "Auf den Druck hab' ich keine Lust, da würde ich lieber aufhören. So stelle ich mir nicht die Zukunft vor."

Der Punk und die Zukunft

Das mit der Zukunft ist ohnehin so eine Sache. Früher wurde Punkrock gerne mit "No Future" assoziiert (Leute wie ich haben das anno dunnemals ernst genommen und geglaubt, die Sänger der einschlägigen Bands nicht unbedingt), aber seitdem sind die Zeiten bedeutend "härter" und vor allem anders geworden. Zwischendrin hat Punk versucht, die Welt zu erklären, hat versucht, sozialarbeiterisch tätig zu sein, plante gelegentlich die Revolution oder zumindest das Komasaufen und steht derzeit reichlich orientierungslos und – vor allem! – in tausenderlei Sub-Szenen zersplittert da.
Wo in diesem ganzen Geschwurbel sieht sich da nach zehn Jahren ein Label wie Twisted Chords? "Das Label ist kein reines Hobby für mich, aber auch bei weitem kein Business – und das wird so bleiben", meint Tobi. "Twisted Chords ist eine Herzensangelegenheit, das trifft es vielleicht am besten."

Realistisch genug, um zu wissen, dass die Revolution nicht gerade im beschaulichen Pfinztal beginnen wird, sind die Twisted-Chords-Aktivisten alle. "Das ist für mich halt Punk. Ich laufe nicht mit Nietenlederjacke rum, auch wenn das schon schick aussieht, habe aber für mich kapiert, dass Punk bedeutet, dass man sein Leben in die eigene Hand nimmt und was draus macht, wo man sich auf jeden Fall abends noch im Spiegel anschauen kann."

Konsequenterweise geht man jetzt erst mal alle möglichen Aktivitäten zum Jubiläum an. Der CD-Sampler "Revolution is just a heartbeat away" erscheint Ende September; enthalten sind 27 Stücke von 20 Bands aus allen Phasen des Labels. Zur gleichen Zeit startet eine Jubiläums-Tour, bei der die Anarcho-Punks GUERILLA, der HipHopper Chaoze One und die Emopunker LÜTTEN auf der Bühne stehen werden. Und wie es sich gehört, gibt es in Karlsruhe zwei Party-Veranstaltungen zur Feier.
Wie es danach weitergeht, weiß Tobi allerdings noch nicht. Die nächsten zehn Jahre weitermachen? Dann wäre er 37 (und ich rechne nicht aus, wie alt ich dann bin ...), und die Szene hat sich garantiert erneut stark verändert.

"Darüber mache ich mir bisher keine großen Gedanken." Tobi grinst. "Ich bin ohne großen Plan in die Twisted-Chords-Sache reingegangen, und ich gehe davon aus, dass ich da ohne großen Plan wieder rauskommen werde. Wenn die Zehn-Jahres-Aktivitäten rum sind, werde ich erstmal einige Tage lang die Füße hochlegen und nix tun."
Wetten, dass er sich an diese eigene Prophezeiung nicht halten wird?

zurueck


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